Konfliktmanagement: Konflikte vermeiden oder besser damit umgehen?

von | 26.02.2018 | Blog, Kommunikation | 0 Kommentare

Konfliktgespräche im Beruf: Fluch oder Segen?

Schwierige Gespräche wollen lösungsorientiert gemeistert werden, wenn man beruflich Erfolg haben will. Ein offener Umgang ist das A und O.

Interview mit Stephanie Utz, Sinnwerkstadt, zum Konfliktmanagement

Konflikte lassen sich in unserem Alltag in der Regel nicht vermeiden. Manche haben mehr, andere weniger Konflikte. Andere wiederum sind gar nicht so anfällig für Konflikte oder nehmen sie gar nicht so sehr wahr. Kommt es auf die persönliche Abhärtung an?

Klar ist: Wo sich Menschen begegnen, wird es auch Reibung geben. Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten, Spannungen, Diskussionen. Konflikte wollen gelöst werden und stellen oft schwierige Gespräche dar, die es zu meistern gilt. Die bloße Vermeidung und ein „sich aus dem Weg gehen“ mögen nicht die besten Strategien sein. Denn wer konstruktive Lösungen finden, gute Ergebnisse erzielen, sich persönlich oder auch die Zusammenarbeit im Team weiterentwickeln und letztlich erfolgreich sein möchte, darf sich den schwierigen Situation stellen. Mit etwas Handwerkszeug und Übung wird es irgendwann leichter, damit umzugehen und sich im Konfliktgespräch im positiven und wertschätzenden Sinne guten Mutes zu behaupten.

Wirtschaftsmediatorin, Coach und Teamentwicklerin Stephanie Utz ist im Team von medialot Training die Expertin für „Konfliktmanagement im beruflichen Alltag“. Von ihr lernen wir, schwierige Gespräche und Situationen erfolgreich zu meistern.

Im Interview gibt Stephanie Utz die ersten Tipps für gelungene Konfliktgespräche und verrät, worauf es ankommt:

1 – Du hilfst Menschen, ihre Konflikte im beruflichen Alltag zu meistern. Wann ist eine Situation schwierig und schon ein Konflikt, was braucht es dafür?

Stephanie Utz Ein Konflikt ist aus meiner Sicht immer dann gegeben, wenn sich eine Person über das gewöhnliche Maß der zwischenmenschlichen Zusammenarbeit betroffen fühlt. Ich sage bewusst „fühlt“, da es häufig vorkommt, dass der Eine es bereits als Problem, Konflikt wahrnimmt, beim Gegenüber – zum Beispiel dem Konfliktpartner – noch überhaupt nicht so empfunden wird.

2 – Welche Erfahrungen hast du: Wer gerät in den Firmen am ehesten in Konflikt – Kollegen untereinander, Mitarbeiter mit Vorgesetzten, Mitarbeiter mit Kunden oder?

Stephanie Utz Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt in allen Varianten und auf allen Ebenen Konflikte, die in ihrer Ausprägung immer sehr große Folgen haben können. Das Schwierige daran ist, wenn Konflikte nicht ausgesprochen oder ignoriert werden – sogenannte „kalte Konflikte“ – oder wenn diese schon zu weit fortgeschritten, also eskaliert sind.

3 – Sollte man Konflikte denn generell vermeiden oder können sie nicht manchmal sogar auch gut sein?

Stephanie Utz Konflikte sind normal im Leben und meist ist darin eine große Chance zur Verbesserung verborgen. Mir ist wichtig, dass meine Klienten und Seminarteilnehmer verstehen, dass man einen Konflikt manchmal nicht vermeiden kann. Aber wie ich damit umgehe, das kann ich lernen und mich darin stetig verbessern.

4 – Gibt es eine goldene Regel, wie man in Konflikte bzw. schwierige Gespräche hineingehen sollte? Was rätst du?

Stephanie Utz Zunächst sollte man sich selbst bewusst sein, warum habe ich einen Konflikt. Im Idealfall kennt man das Gegenüber gut und hat eine Ahnung oder ein Gefühl, warum der andere einen Konflikt hat. Ein zeitnahes Ansprechen, eine gute Vorbereitung und auch ausreichend Zeit für das Gespräch sind sehr wichtig. Einen Konflikt unter Zeitdruck oder zwischen Tür und Angel auszutragen, das geht meist sehr schnell schief.

5 – Welche drei Tipps kannst du geben, wie man sich in schwierigen Gesprächen am besten verhält, um sie gut zu meistern?

Stephanie Utz Natürlich hängt eine gute und zielführende Kommunikation in schwierigen Gesprächen und Konfliktsituationen von mehreren Faktoren ab, die oft zusammenhängen oder sich gegenseitig bedingen. Es ist wichtig, die Verhaltensweisen seines Gegenübers zu kennen oder zumindest einschätzen zu können und es ist wichtig, die Dynamik von Konfliktgesprächen zu verstehen. Als Grundlage dafür sehen aus meiner Sicht die ersten drei wichtigen Schritte wie folgt aus:

Erstens: Keine voreiligen Schlüsse ziehen und offen sein für das, was kommt.
Zweitens: Den Konflikt und die gemeinsame Auseinandersetzung, also die Klärung des Konflikts als Chance zur Verbesserung sehen.
Drittens: Sich in die Lage des anderen versetzen.

6 – Das hört sich relativ einfach an. Doch wie gehe ich am besten im Gespräch vor, wenn es darum geht, ein Konfliktgespräch zu führen bzw. ein schwieriges Gespräch zu meistern? Gibt es da so etwas wie goldene Regeln der Gesprächsführung?

Stephanie Utz Ein Gespräch führe ich dann meist souverän, wenn

  • ich die innere Klarheit über die eigene Welt und meine Werte habe und darüber auch dem Gegenüber Auskunft geben kann.
  • ich ein ehrliches Interesse daran habe, die Beweggründe des Anderen zu verstehen.
  • ich lösungsorientiert auf der Basis von Interessen verhandeln kann.
  • ich den richtigen Zeitpunkt wähle.

7 – Wie lernt man, in Konfliktsituationen gelassen zu bleiben, die Dynamik von schwierigen Gesprächen zu verstehen, Lösungen zu erarbeiten und insgesamt gut mit solchen Situationen umzugehen?

Stephanie Utz Durch ein gutes Konflikttraining und Selbstreflexion kann man sehr viele Konflikte besser meistern.

Ein Beispiel für Selbstreflexion aus der Praxis:
Wenn ich verstehe, warum mich eine Verhaltensweise, die Sprache, der Modus der Sprache einer Person stört und ich das von der Person und der Sache trennen kann, dann kann ich konstruktiv an den Konflikt herangehen.

Ein Beispiel für Innere Klarheit:
Wenn ich mir selbst im Klaren bin, was ich möchte und auch was ich nicht möchte, kann ich das besser ausdrücken und auch für mich einstehen.

Im Konflikttraining unterstütze ich Menschen genauer auf die Situation, die Sache zu blicken, die eignen verletzbaren Seiten zu erkunden und sich besser ausdrücken zu können. Konflikttraining heißt nicht, dass jeder Konflikt dadurch vermieden wird oder nicht ausgetragen wird. Manchmal gibt es auch einen triftigen Grund den Konflikt auszutragen und das ist auch legitim.

Stephanie Utz

Stephanie Utz

Sinnwerkstadt

Stephanie Sophia Utz ist seit 2013 freiberuflich als Inhaberin der Sinnwerkstadt im Bereich der strategischen Strategieentwicklung, Beratung, Begleitung und Planung von Mediationen, systemischen Organisations- und Teamentwicklungen, Coaching, Moderationen und Beteiligungsprozessen tätig.
Sie verfügt u. a. über 20 Jahre Berufserfahrung in allen Planungsbereichen und Bürgerbeteiligungsthemen der öffentlichen Verwaltung und Projektentwicklung. Ihre Erfahrung als Mediatorin, Moderatorin und systemischer Coach bringt sie nachhaltig, zielführend und zum Wohle aller ein. Ganzheitlich vernetztes Wissen und Handeln, Querdenken, Neugierde und Innovationsgeist, das sind ihre Kompetenzen und Stärken, die sie ihren Klienten mit Leidenschaft zur Verfügung stellt.

Herzlichen Dank an Ass. jur. und Dipl.-Ing. Architektur (FH) Stephanie Utz für das Interview!

Was uns interessiert …

Mit welchen Konflikten haben Sie im beruflichen Alltag überwiegend zu kämpfen?
Sind es oft ähnliche schwierige Situationen oder ähnliche Themen? Vielleicht auch wiederkehrend mit denselben Personen?
Welche Strategien zur Konfliktlösung haben sich bei Ihnen bewährt?

Schreiben Sie uns einen Kommentar oder Ihre Fragen. Wir tauschen uns gerne mit Ihnen aus!

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Jeannine Tieling

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  • Sprecherzieherin (Univ./DGSS)
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