Das Mitarbeiter-Feedback-Gespräch. Klaus Döllinger im Interview.

von | 24.11.2017 | Blog | 0 Kommentare

Regelmäßiger Austausch auf Augenhöhe schafft Vertrauen

Wer seine Mitarbeiter ans Unternehmen binden sowie stetig gute Ergebnisse von ihnen will, kann dies durch eine wertschätzende Feedback-Kultur enorm unterstützen.

Interview mit Coach Klaus Döllinger zum Mitarbeiter-Feedback-Gespräch

Klaus Döllinger steht im Team von Medialot Training für die Themen Mitarbeiterführung, Teamentwicklung und Werteorientierung. Die Teilnehmer unserer Workshops unterstützt er darin, neue Wege zu gehen, neue Erkenntnisse zu gewinnen oder das Miteinander im Unternehmen zu optimieren, um bessere Ergebnisse zu erzielen sowie das Wohlbefinden im Team und am Arbeitsplatz zu steigern. Ein Weg, wie Unternehmen für mehr Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Führungsebene, für eine stärkere Mitarbeiterbindung, eine bessere Produktivität und mehr Eigenverantwortung ihrer Angestellten sorgen können, ist eine gesunde Feedback-Kultur im Betrieb. Diese setzt regelmäßige, gut strukturierte und zielführende Mitarbeiter-Feedback-Gespräche voraus.

Im Interview verrät Klaus Döllinger, worum es beim Mitarbeiter-Feedback-Gespräch geht, warum es so wichtig ist und worauf es dabei ankommt:

1 – Was verstehst du unter einem Mitarbeiter-Feedback-Gespräch?

Klaus Döllinger Es ist eines der wichtigsten Bestandteile der Mitarbeitergespräche und sollte häufiger als das in vielen Unternehmen jährlich angesetzte „große“ Mitarbeitergespräch stattfinden. Ziel ist es, mit dem Mitarbeiter in Kontakt zu bleiben, sich offen und ehrlich auszutauschen, um so auch eine Bindung zum Unternehmen aufzubauen oder sie zu stärken. Ein Mitarbeiter-Feedback-Gespräch muss in einem geschützten Raum stattfinden und die Inhalte werden vertraulich behandelt. Auf Basis gegenseitiger Wertschätzung ist es möglich, auch schwierige Themen zu besprechen. Dabei ist es unbedingt notwendig, klar zwischen wahrgenommenem Verhalten, Bewertungen und Veränderungswünschen oder -vorschlägen zu unterscheiden.

2 – Wenn es um Feedback geht, muss man da gleich Angst vor Kritik haben?

Klaus Döllinger Kritik ist ein möglicher und wichtiger Bestandteil, um Veränderungen herbeizuführen. Dabei geht es um neue Einsichten und Ansätze für Veränderungen. Kritik wird hier als Hilfestellung für positive Veränderungen gedacht. Ganz klar darf und sollte natürlich auch gelobt werden, denn Feedback muss nicht nur negativ sein – ganz im Gegenteil. Ich empfehle den Unternehmen, in den Gesprächen auch eine Selbsteinschätzung von ihren Mitarbeitern einzuholen und ihnen nicht nur etwas überzustülpen. So weiß das Team, dass es bei dem Gespräch nicht nur um Kritik geht, sondern dass man die Mitarbeiter hören und genauso zu Wort kommen lassen will.

3 – Warum tut man sich oft auch als derjenige schwer, der Feedback gibt?

Klaus Döllinger Häufig fühlt man sich als Feedbackgeber als Täter, der einem anderen etwas „zufügt“, sowohl positiv als auch negativ. In jedem Fall stößt man damit einen Veränderungsprozess an und das trifft häufig zuerst auf wenig Gegenliebe. Das Gegenüber wird aus der Komfortzone gedrängt, in der alles vertraut erscheint und muss ein neues Verhalten erlernen und umsetzen. Das macht Angst und erzeugt Widerstand. Das sind die ganz normalen Bestandteile von Veränderungsprozessen.

4 – Warum ist es so wichtig, neben dem in vielen Firmen etablierten Mitarbeiterjahresgespräch auch immer wieder zwischendurch mit seinen Mitarbeitern zu sprechen?

Klaus Döllinger Mitarbeiterjahresgespräche entwickeln sich oft zu einem Ritual, in dem es um eine Art „Abrechnung“ mit der Vergangenheit und entsprechende Sanktionen geht. Veränderungen werden jährlich angestoßen und Fehler oder Fehlentwicklungen werden erst nach einem Jahr entdeckt. Wie schade! Häufige Mitarbeitergespräche bieten dagegen die Möglichkeit, Kurskorrekturen vorzunehmen und Prozesse anzupassen. Außerdem kann so eine positive Feedbackkultur entstehen, indem Mitarbeiter wertgeschätzt und wahrgenommen werden. Durch einen regelmäßigen Kontakt kann die Bindung zu den Mitarbeitern und deren Wohlbefinden am Arbeitsplatz gefördert werden, was gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine immer größere Rolle spielt.

5 – Was macht das Feedback mit Mitarbeitern und mit demjenigen, der Feedback gibt?

Klaus Döllinger Es schafft Verbindung zwischen den Gesprächsteilnehmern und Vertrauen. Fronten können in ein konstruktives Miteinander verändert werden.

6 – Wie sieht es deinen Erfahrungen nach aus in den deutschen Unternehmen: Wie ist bei uns die Feedback-Kultur?

Klaus Döllinger Feedback-Kultur ist viel zu selten anzutreffen. Soweit das nach außen kommuniziert wird – und da gibt es viele Tabus – leidet offenes Feedback sehr unter der Angst vor Veränderung, dazu zählt auch die Angst das Gesicht zu verlieren, jemandem zu nahe zu treten oder schlichtweg Fehler zu machen, usw.

7 – Darf man denn auch andersherum als Mitarbeiter seinem Vorgesetzten Rückmeldungen, also Feedback geben?

Klaus Döllinger Die Idee des 360 Grad Feedbacks ist nicht neu, sie wird nur zu wenig praktiziert. In meinen Augen wäre es enorm hilfreich, wenn sich Unternehmen genauso Rückmeldungen von ihren Mitarbeitern einholen. Dazu ist allerdings zumindest bei der Einführung von Mitarbeiter-Feedback-Gesprächen Unterstützung von außen sehr empfehlenswert.

8 – Was muss man beherzigen, wenn man eine Feedback-Kultur im Unternehmen einführen möchte: Welche drei leicht umsetzbare Tipps hast du parat?

Klaus Döllinger 1. Die Mitarbeiter müssen über die Intention und die Form gut informiert werden. 2. Der Prozess muss permanent begleitet und gegebenenfalls angepasst werden. 3. Als Einstieg empfehle ich einen Pilotprozess mit geeigneten und willigen Teilnehmern.

9 – Was sind die nächsten Schritte?

Klaus Döllinger Am besten ist es, Feedbackgeben und -nehmen zu üben. Das kann gar nicht oft genug passieren. Besonders bewährt hat sich dabei die Videoaufzeichnung mit anschließender Auswertung von möglichst vielen verschiedenen Personen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie präzise sich dabei das eigene Verhalten erkennen lässt. Das ist der wichtigste Schritt, um etwas zu verändern. Empfehlenswert ist es natürlich, sich bei der Einführung einer gesunden Feedback-Kultur im Betrieb professionell begleiten zu lassen.

Klaus Döllinger

Klaus Döllinger

Coaching und Management-Training Klaus Döllinger

Klaus Döllinger absolvierte nach dem Diplompädagogikstudium zahlreiche, mehrjährige Zusatzqualifikationen als Coach und Berater im In- und Ausland. Seine Arbeitsweise basiert auf seinen jahrelangen Erfahrungen als vielseitiger Geschäftsführer und Firmeninhaber. Durch die passende Kombination aus klassischen und bewährten Methoden im Präsenzformat mit innovativen Ansätzen bis hin zu Online-Coachings und Webinaren bietet er seinen Kunden eine genau an ihren Erfordernissen abgestimmte Dienstleistung. Sein Kundenportfolio reicht von multinationalen Großkonzernen bis hin zu KMU und Einzelpersonen.

Herzlichen Dank an Coach und Managementtrainer Klaus Döllinger für das Interview!

Was uns interessiert …

Welche Erfahrungen haben Sie mit Mitarbeitergesprächen?
Welche Erfahrungen haben Sie im Geben oder Erhalten von Feedback?
Als wie wichtig erachten Sie den regelmäßigen Austausch in Form von Mitarbeiter-Feedback-Gesprächen?

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Jeannine Tieling

Jeannine Tieling

medialot - Ihr Erfolg in Worten

  • Beraterin und Trainerin für PR, Rhetorik und Kommunikation
  • Moderatorin und Sprecherin für TV, Radio und Event
  • Sprecherzieherin (Univ./DGSS)
  • Ausgebildete Redakteurin
  • Certified Social Media Manager (FH)
  • Diplom-Geographin Univ.

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